1. Frauen/Mädchenschachkongress in Göttingen
(18.09. bis 30.09.2012)



Drei ereignisreiche Tage liegen hinter mir und in dem nach folgendem Bericht möchte ich etwas aus Göttingen berichten.

Beim Kongress war ich in doppelter Funktion anwesend. Zum Einen als Referent für Mädchenschach unseres Bundeslandes und zum Anderem wurde ich von der DSJ gefragt, ob ich im Rahmen des Kongresses Die Mädchenschacharbeit des TuRa Harksheide vorstellen würde.

Die Anreise erfolgte am Freitag, nach meiner letzten Schach- AG Stunde um 16 Uhr. Lange Zeit war es nach dem Tunnelstau in Hamburg eine angenehme Fahrt. Kurz vor Kassel zeigte mir dann mein Navi einen Stau von 10 km = 120 Minuten an, dem ich gerade noch ausweichen konnte. Dennoch kam ich etwas später als geplant an und konnte so nur noch den 2. Teil der Auftaktveranstaltung mit erleben. Im groben ging es darum, dass je ein Vertreter vom Deutschen Sportbund, Deutschen Reiterbund, Deutschem Tischtennisverband, einer Spielerin aus Österreich und Funtionäre des DSB sowie der DSJ die allgemeine Situation hinsichtlich des Mitgliederstandes von Mädchen und Frauen in den jeweiligen Verbänden erläuterten. Auch gab es erste gute Ideen für die bevorstehenden Veranstaltungen. (Als Preis bei einem Frauenturnierkönnte man ja einen Lockenstab vergeben :))
Den Abend verbrachte ich zusammen mit anderen TeilnehmerInnen beim Italiener, da für Freitag noch kein Abendbrot vorgesehen war und das Hotel auch kein Essen anbot. Es war eine sehr schöne Runde, bei der es auch um die jeweiligen Erwartungshaltungen ging.

Samstag und der Beginn eines sehr umfangreichen Programms.

Ab 9 Uhr nahm ich mir vor den Ausführungen von Melanie Ohme (Nationalspielerin) und Dr. Christian Warneke (1. Vors. Der DSJ) zu folgen. Thema war die „Entwicklungspsychologie“ im Allgemeinen und im Bezug auf das Schach von Männern und Frauen. Mit Sicherheit wird der DSB und die DSJ auf ihren WEB- Seiten mehr zu diesem und den anderen Themen demnächst veröffentlichen, so dass ich mich hier auf eine interessante Aussage beschränken möchte, welche besagt:
„Ein Mann hat auf jede Frage immer und schnell eine Antwort, auch wenn diese nicht durchdacht oder falsch ist“ In Bezug auf das Schach gesehen, würde man also sagen können, dass ein Mann immer einen Zug spielt, während Frauen sich damit Zeit lassen um alles zu durchdenken.

Den 2 spannenden Stunden folgte eine kurze Pause und die Podiumsdiskussion „Spielen Mädchen ein anderes Schach als Jungen“ Hier gab es einige interessante Thesen, wobei die Auffassung eines sehr erfolgreichen Trainers wohl den Kern trifft „ Für mich als Trainer ist es egal wer mir gegenüber sitzt. Schach bleibt Schach und so gibt es weder ein Mädchenschach noch ein Jungenschach. Viele Trainer machen jedoch den Fehler, dass sie im Training unterscheiden und den Mädchen zum Beispiel geschlossene oder halboffene Eröffnungen beibringen bzw empfehlen“.

Nach dieser Podiumsdiskussion gab es Mittagessen und schon ging es für mich auch schon weiter mit dem Thema „Trainingspläne für leistungsstarke Mädchen“
Bernd Rosen (Buchautor, SK Katernberg) legte seinen Vortrag so an, dass er zuerst versuchte zu erklären was aus seiner Sicht „leistungsstarke Mädchen beim Schach“ sind. Er gab als Hinweis, dass hier die jeweilige TOP Ten eines jeden Bundeslandes in Frage käme. Er empfahl beim Training darauf zu achten, dass diese Mädchen, sofern sie es wollen, am Besten gefördert werden können, wenn sie gleichrangig mit den Jungs angesehen und so Geschlechtsunspezifisch innerhalb des Trainings als Schachtalent angesehen werden.


Nach einer weiteren kurzen Pause schlug für mich die Stunde und zusammen mit Jan Salzmann (SK Lehrte/ 1. Vors. Der SJNDS) bereitete ich unter dem Thema „Best practice“ die Vorstellung des TuRa Harksheide Schach vor, wobei es speziell um die Mädchenschacharbeit gehen sollte. Beide brauchten wir ca 1 Minute um uns über den Ablauf zu einigen. Wir begannen mit einer kurzen Einführung und gaben dann unseren 10 Gästen die Chance sich kurz vorzustellen. Hiernach berichtete ich von der Motivation, Organisation, Durchführung von Projekten seit den letzten 9 Jahren und vom Training der Mädchen bei uns. Jan S. stellte dann seinen Schachklub vor und ging dabei speziell auf den Frauenbereich ein, was zu der voran gegangenen Vorstellung eine gute Fortführung gewesen sei, so die TeilnehmerInnen unseres Moduls. Nach ca 1,5 Stunden gab es ein sehr positives Feedback und ich ging zum Abendbrot. Leider gab es nach dem Essen keine gemeinsame Aktion (Schach oder so) und so schaute ich den 4 Teilnehmern aus Berlin beim Kartenspielen zu. Dabei erfuhr ich auch ein bisschen von den anderen „Modulen“ bei denen ich nicht gleichzeitig sein konnte. Im Übrigen möchte ich hier schreiben, dass ich aus unserem schönen Bundesland, der Einzige war. Es ist schon schade, dass sich niemand mehr mit aufraffen konnte, diese Veranstaltung zu besuchen.

Sonntag und eine kleine Bilanz

Der Tag begann mit Frühstück und meinem Besuch der Präsentation der SF Friedberg
„Durch Öffentlichkeitsarbeit zum Imagewandel. Was muss getan werden.“ Nach einer kleinen Strompanne, wurden uns Wege der Öffentlichkeitsarbeit aufgezeigt. Dabei konnten die beiden Vertreter des Frauen- Bundesligisten sehr viel aus eigener erfolgreicher Arbeit und Erfahrung erzählen. Interessant für mich die vielen Möglichkeiten, die von diesem Klub genutzt wurden um Schach und speziell Frauenschach im Raum Frankfurt/a. M. bekannt zu machen. Leider fehlte am Ende durch die anfängliche Panne etwas die Zeit um das Thema bis zum Ende vorzustellen.

11.30 Uhr wurde der Kongress mit einer Feedbackrunde beendet. Dabei wurde darüber gesprochen, ob der Kongress, jährlich für sich, oder eher in eine andere Veranstaltung (Schulschach, Vereinskonferenz) eingebunden statt finden sollte. Des Weiteren wurde u. A. von mir angeregt, dass man im Wiederholungsfalle dieser Veranstaltung die Frage voran stellen sollte: „Warum sollte sich ein Verein für Mädchen/Frauenschach interessieren und wie können Vereine hierfür motiviert werden?“ Eventuell würden sich dann auch, auf eine Antwort der Frage neugierig gewordene Vereinsvertreter für einen Frauen/Mädchenschach-Kongress interessieren. Im Bezug hierzu wurde von einer Frau fest gestellt, dass nach Abzug der der Offiziellen und Referenten nur noch ca 20 von 60 übrig blieben, die sich für diesen Kongress interessiert hätten. Diese 20 wiederum hätten bereits im kleinen Rahmen damit begonnen sich für das Frauen/Mädchenschach zu engagieren und haben sicher viele neue Anregungen bekommen. Allerdings fehlten die Unentschlossenen, welche man mit dem vielfältigen Themenkomplex hätte motivieren können.

13 Uhr verließ ich mit vielen neuen Ideen, Erkenntnissen und Eindrücken Göttingen. Mal schauen was ich in meiner Funktion zukünftig umsetzen kann.

Eberhard Schabel
(SJSH Mädchenschach / TuRa Schach)